COE Punkte - Ein Standard für die Zukunft

Aktuelles Fachwissen erfordert kontinuierliche Fortbildung. So sind beispielsweise Ärtzinnen und Ärzte zur kontinuierlichen medizinischen Fortbildung (Engl. Continuing Medical Education = CME) verpflichtet und weisen über Fortbildungspunkte (CME-Punkte) nach, dass sie dieser Pflicht nachkommen. Wenngleich in Deutschland keine gesetzliche Fortbildungspflicht für Augenoptiker und Optometristen besteht, verpflichten sich die Mitglieder einiger Verbände zur kontinuierlichen optometrischen Fortbildung (Engl. Continuinig Optometric Education = COE) und weisen über COE-Punkte nach, dass sie dieser Verpflichtung nachkommen.

So müssen zum Beispiel Betriebe, die das RAL-Gütesiegel Optometrische Leistungen benutzen, alle im deutschen Optometristenregister der Gütegemeinschaft Optometrischer Leistungen (GOL) gelisteten Optometristen sowie alle VDCO-Mitglieder eine bestimmte Anzahl an COE-Punkten nachweisen. COE Punkte können durch die Präsenz- oder Online-Teilnahme an zertifizierten Kongressen, Seminaren, Workshops oder Landesgruppenabenden mit augenoptischen bzw. optometrischen Inhalten erworben werden, aber auch durch die Publikation eigener Fachartikel oder das Lesen bestimmter Fachartikel mit interaktiver Lernkontrolle, z.B. in der Zeitschrift Ometry and Contact Lenses (OCL). Die Zertifizierung von Fortbildungsveranstaltungen erfolgt in Deutschland durch eine von der GOL autorisierte Stelle (derzeit die VDCO) und in der Schweiz durch den Schweizerischen Berufsverband für Augenoptik und Optometrie (SBAO).

Wie die Vergabe der COE Fortbildungspunkte geregelt ist, können Sie der Seite der RAL Gütegemeinschaft Optometrische Leistungen oder der Übersicht auf den Internet-Seiten des Wissenschaftsmagazins OCL entnehmen.

Inhaltsverzeichnis
Seniorin bei einer Spaltlampenuntersuchung mit Augenoptikerin
Bislang kommen Optometristinnen und Optometristen in Deutschland keiner einheitlichen Fortbildungspflicht nach. Mit dem Modell der Continuing Optometric Education könnte sich dies in Zukunft ändern.
AdobeStock / Klaus Eppele

Fort- und Weiterbildung als Wettbewerbsvorteil

Knapp 50 Mitglieder verzeichnet die Gütegemeinschaft Optometrische Leistungen e.V. aktuell. 108 Optometristen haben sich bereits ins Deutsche Optometristen-Register eingetragen (Stand April 2022). „Neue Forschungsergebnisse auf den eng miteinander verzahnten Gebieten Ophthalmologie und Optometrie sowie rasante Fortschritte bei der Geräteentwicklung erfordern eine ständige Aktualisierung des Fachwissens“ – hiervon ist Wolfgang Cagnolati, Gründer des Augen- und Sehzentrums Optometrie Cagnolati in Duisburg, überzeugt. „Die Augenoptik/Optometrie ist ein Gesundheitsberuf, bei dem umfassende Gesundheitsdienstleistungen rund um das Auge und das visuelle System erbracht werden. Um dieser hohen Verantwortung gerecht zu werden, ist eine kontinuierliche Fortbildung nach klar definierten Vorgaben notwendig.“ Zudem garantieren mit den Fortbildungspunkten ausgezeichnete Fachleute Kompetenz und aktuelles Wissen ihren Patienten und Kunden gegenüber.

Anders als beispielsweise in den USA oder Großbritannien kamen Optometristen in den deutschsprachigen Ländern lange keiner Fortbildungspflicht zur Aufrechterhaltung ihrer Zulassung nach. Lediglich einige Fachgesellschaften verlangten klar definierte Fortbildungsnachweise. Diese Regelung hat sich in der Bundesrepublik seit 2019 teilweise geändert:

Um ein RAL-Gütezeichen aufrechtzuerhalten, sind Nachweise über eine kontinuierliche optometrische Fortbildung – Continuing Optometric Education (COE) – notwendig. Die Fortbildungspflicht betrifft demnach Benutzer des RAL-Gütezeichens sowie im Optometristen-Register gelistete Optometristinnen und Optometristen. Die Idee dazu entstand aus der gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildungspflicht für Mediziner, erklärt Cagnolati. „Für deutsche Ophthalmologinnen und Ophthalmologen besteht bereits seit April 2004 eine Fortbildungspflicht, die Bestandteil des Sozialgesetzbuchs ist. Die hierfür notwendigen CME-Fortbildungspunkte, Continuing Medical Education, werden durch die Kassenärztlichen Vereinigungen zertifiziert. (…) Die Idee für den Begriff Continuing Optometric Education entstand bei mir im Kontext der Anerkennung von durch die GOL akzeptierte Fortbildungsmaßnahmen."

COE-Fortbildung digital, interaktiv, vor Ort

Als Oberbegriff für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für das Gesamtgebiet der Optometrie meint COE sowohl Präsenz- und Online-Events als auch interaktive Veranstaltungen, beispielsweise in Fachzeitschriften wie dem wissenschaftlichen Magazin Optometry & Contact Lenses (OCL). Jede Ausgabe der OCL beinhaltet einen COE-zertifizierten Beitrag. Darunter fallen wissenschaftliche und klinische Artikel sowie Kasuistiken (Fallbeispiele). In Form eines Multiple-Choice-Tests können Leserinnen und Leser Fragen zum Artikel beantworten, die nach den Richtlinien der GOL konzipiert wurden. Besteht die Teilnehmerin den Test, erhält sie einen COE-Punkt.

COE Punkte auf dem COE Campus

Fachliche Expertise gepaart mit handwerklichem Geschick: Das sind die Grundpfeiler für nachhaltigen Erfolg eines jeden Augenoptikbetriebes. Nur in wenigen anderen Branchen sind die Anstrengungen zur Fort- und Weiterbildung ähnlich hoch wie in der Augenoptik. Denn nur mit hochqualifiziertem Personal wird ein Betrieb in diesem Umfeld in Zukunft dauerhaft bestehen können. Gleichzeitig steigert die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung aber auch die Attraktivität des Berufsstands an sich. Dass das nötig ist, zeigte nicht zuletzt der jüngste Berufsbildungsbericht des ZVA, der auf den sich dramatisch abzeichnenden Fachkräftemangel hinwies.

Eine Voraussetzung dafür ist ein einheitlicher Fort- und Weiterbildungsstandard. In der Branche werden sich dabei die so bezeichneten und von den Fachverbänden und -vereinen favorisierten COE Punkte durchsetzen. Daher auch der Name des COE Campus. Bereits jetzt werden COE Punkte von der VDCO, der WVAO oder der IVBS vergeben und vom SBAO anerkannt.

Jedoch werden selbstverständlich nicht alle Fortbildungsinhalte des COE Campus auch an COE Punkte gekoppelt sein. Vielmehr soll die Fortbildungsplattform alle Wissbegierigen der Branche ansprechen. Neben Optometristen und Augenoptikerinnen richtet sich der COE Campus deshalb gleichzeitig auch an Gesellen, Auszubildende, Studentinnen der entsprechenden Fachrichtungen oder (Berufs-)Schüler.

Übersicht Vergabekriterien COE Punkte

Vergabe von COE Fortbildungspunkten | pdf
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